Praxis für Komplementärmedizin
Dr. scient. med. Esther Granitzer MSc

Kleine Ursachen - grosse Wirkungen

Esther Granitzer, 02. März 2013

 

Facharbeit Vergleich und Integration

Masterstudium MSc für komplementäre, psychosoziale und integrative Medizin

 

Die systemische Sichtweise

 

 

Kleine Ursachen – grosse Wirkungen

 

Einleitung

In dieser Facharbeit beziehe ich mich auf die Hinweise „Alles ist mit allem verbunden….“ und den „Schmetterlingseffekt“ welche im Lernfeld 03 auf den Seiten 19 und 20 im Kapitel 5 „Schwierige Wettervorhersage“ erwähnt werden (Integration LF 03, 2013). Ist wirklich alles mit allem verbunden? Was bedeutet der Schmetterlingseffekt? Und können kleine Ursachen tatsächlich grosse Wirkungen zeigen?

 

Hypothese

Kleine Ursachen – grosse Wirkungen

 

Methoden

-Internetrecherche

-Literaturrecherche

 

Ergebnis

Im Jahre 1972 prägte der US-amerikanische Mathematiker und Meteorologe Edward N. Lorenz (1917-2008), der auch als Vater der Chaostheorie bekannt wurde, den Begriff „Schmetterlingseffekt“. Lorenz hielt vor der American Association for the Advancement of Science einen Vortrag mit dem TitelPredictability: Does the Flap of a Butterfly’s (Seagull’s) Wings in Brazil set off a Tornado in Texas?“ (Wikipedia, 2013). Weshalb soll der Flügelschlag eines Schmetterlings (oder einer Möwe) in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?

Im Lernfeld 03 (2013) auf Seite 19 ist zu lesen: „Alles ist mit allem verbunden….“! Diesen Ausspruch prägte nicht erst Edward N. Lorenz, sondern schon im 13. Jahrhundert erwähnte Hildegard von Bingen in ihrem „Liber Divinorum Operum“ folgende Zeilen: „Jedes Geschöpf ist mit einem anderen verbunden und jedes Wesen wird durch ein anderes gehalten. Alles ist mit allem verbunden.” (Heieck Mechthild, 1998).

Gemäss Lorenz erklärt dieses Verbundensein, welches dann in Folge zum „Schmetterlingseffekt“ führt auch die Tatsache, dass viele komplexe Systeme langfristig gesehen sehr instabil und veränderbar sind.

Dass kleine Ursachen grosse Wirkungen zeigen können, ist schon lange bekannt. Einige Menschen nennen dies „Zufall“, andere sprechen vom „Schmetterlingseffekt“. Was führte dazu, dass im Jahre 1947 der 15-jährige Beduine Muhammed edh-Dhib vom Stamm der Taamireh eine entlaufene Ziege suchte und dabei in einer Höhle einige Pergamente entdeckte? Das Entlaufen einer Ziege ermöglichte schlussendlich das Auffinden der „Qumran-Rollen“ und dadurch eine völlig andere Sichtweise auf die Entstehung des Juden- bzw. des Christentums (Zankl, 2002). War es ein Zufall oder doch eher ein Verbund-System?

Eine andere kleine Ursache mit grosser Wirkung war auch der Umstand, dass der schottische Bakteriologe Dr. Alexander Flemming (Wikipedia, 2013) im September 1928 auf Urlaub fuhr, ohne vorher sein Labor aufzuräumen und ohne seine Bakterien-Versuchskulturen zu entsorgen. Nach Flemmings Rückkehr machte sich der Forscher daran, die zahlreichen Petrischalen zu vernichten und entdeckte dabei eine Schale in der neben den Bakterien auch Schimmelpilze gewachsen waren. Zu Flemmings erstaunen verdrängten die Schimmelpilze die Bakterien nicht nur, sondern sie wirkten sogar bakterizid. Das Penicillin war entdeckt!

Ein weiteres Beispiel dafür, dass alles mit allem verbunden ist und kleine Ursachen grosse Bedeutung erlangen können, ist auch die Entstehung der „Slow-Food-Bewegung“. Gemäss einem Artikel von Roland Rottenfusser (2013) konnte diese Ernährungsbewegung nur entstehen, weil sich in den 80er Jahren einige wenige italienische Feinschmecker gegen die EU-Vorschriften für Bergkäsereien und andere Betriebe der Lebensmittelverarbeitung auflehnten. Hätten sich Carlo Petrini und seine „Freunde des Barolo“ nicht gegen McDonald’s & Co. gewehrt, könnten wir heute nicht so bewusst und genussvoll regionales Essen geniessen (Wikipedia, 2013).

Leider gibt es auch negative Beispiele von kleinen Ursachen mit grosser Wirkung. Im Jahre 2000 verlor der US-Präsidentschafts-Kandidat Al Gore nur 537 Stimmen gegen George W. Bush, der in Folge dann zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt wurde. Wahlsystem oder Wahlmanipulation hin oder her, das wissen nur die Beteiligten. Tatsache ist jedoch der kleine Umstand, dass wenn nur 537 Bürger der USA mehr für Al Gore gestimmt hätten, wären der ganzen Welt die grossen, verheerenden Wirkungen des Irak-Krieges, Guantanamo und der undemokratische „Patriot Act“ vielleicht erspart geblieben, aber auch die Umweltpolitik der USA wäre in den Händen Al Gore’s vermutlich weitaus erfolgsversprechender gewesen (Rottenfusser, 2013).

 

 

Diskussion

Wir Menschen wünschen uns oft Veränderungen im Privatleben, an unserer Arbeitsstelle aber auch auf der ganzen Welt. Wir wünschen uns eine intakte Umwelt, den richtigen Partner an unserer Seite, Frieden, Wohlstand, Freiheit…..und weil unsere Wünsche für uns sehr viel bedeuten, sind wir oft der Meinung, dass sie nur durch grosse Kräfte bewirkt werden können. Stimmt das wirklich? Nein…..denn wenn Unordnung zur Entdeckung eines der bedeutendsten Medikamente unserer Zeit führen konnte und eine entlaufene Ziege die Menschheitsgeschichte neu schreiben liess, dann müssen wir mit Ehrfurcht erkennen, dass es v.a. auch die kleinen Ursachen sind, die auf der Welt grosse Wirkungen erzielen können. Alles ist mit allem verbunden, sodass der sanfte Flügelschlag eines Schmetterlings ganz andere Phänomene auf der Welt bewirken kann.

 

Quellenangaben

Mechthild Heieck (1998): Hildegard von Bingen – Das Buch vom Wirken Gottes: Liber divinorum operum. Pattloch Verlag, München

Rottenfusser Roland (2013): Kleine Ursache, grosse Wirkung. Zugriff am 02.03.2013  http://www.zeitpunkt.ch/ fileadmin/download/ZP_100/100_4-5_Kleine-Ursache.pdf

Wikipedia (2013): Edward N. Lorenz. Zugriff am 02.03.2013  http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_N._Lorenz

Wikipedia (2013): Alexander Flemming. Zugriff am 02. 03. 2013  http://de.wikipedia.org/wiki/ Alexander_Fleming

Wikipedia (2013): Schmetterlingseffekt. Zugriff am 02.03.2013  http://de.wikipedia.org/wiki/ Schmetterlingseffekt

Zankl Heinrich (2002): Die Launen des Zufalls. Wissenschaftliche Entdeckungen von Archimedes bis heute. Primus Verlag, Darmstadt