Praxis für Komplementärmedizin
Dr. scient. med. Esther Granitzer MSc

Armut und soziale Schwäche machen dick

Esther Granitzer, 19. Juli 2011

 

Facharbeit Regulative Verfahren

Masterstudium MSc für komplementäre, psychosoziale und integrative Medizin

 

Ernährung, Diätetik, Fasten

 

 Armut und soziale Schwäche machen dick

 

Einleitung

In dieser Facharbeit beziehe ich mich auf den Satz „Die Hautpursache von Zivilisationskrankheiten ist lebensstiltypisch.“ und die Aussage „…sodass ab einem gewissen Punkt der höhere Lebensstandard trotz eines leichteren Zugangs zu Lebensmitteln mit einem tieferen BMI einhergeht.“, welche im Lernfeld 03 auf den Seiten 2 und 3 „Einleitung“ erwähnt werden (Methoden / Regulative Verfahren LF 03, 2011). Übergewicht ist heutzutage immer mehr ein Zeichen von Armut und sozialer Schwäche, die Ursache liegt im andersartigen Gesundheitsverhalten der Menschen mit unterschiedlichem Lebensstandard.

 

Hypothese

Armut und soziale Schwäche machen dick

 

Methoden

-berufliche Kompetenz

-Internetrecherche

-Literaturrecherche

 

Ergebnis

Heutzutage bestätigen zahlreiche Studien, dass sich Armut und soziale Schwäche auf die Gesundheit auswirkt. Gemäss Dr. Thomas Lampert und Dr. Lars Eric Kroll von der Abteilung für Gesundheitsberichtserstattung (GBE) des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin leiden finanziell schwächer gestellte Personen vermehrt unter Gesundheitsbeschwerden wie chronischen Erkrankungen und Adipositas und müssen auch mit einer verringerten Lebenserwartung rechnen (GBE, 2010).

Auch Prof. Dr. Manfred James Müller vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde in Kiel bestätigt, dass sozial Schwächere häufiger mit Dickleibigkeit zu kämpfen haben, als sozial Bessergestellte. Gemäss seinen Untersuchungen leiden Kinder von Eltern mit einem Hauptschulabschluss sogar dreimal so häufig an Übergewicht, als Kinder von Eltern mit Abitur. Die landläufige Meinung, dass Menschen übergewichtig sind, weil sie schwerere Knochen oder schlechtere Gene haben, konnte bis jetzt nicht, oder nur in den allerseltensten Fällen bestätigt werden. Laut Müller spielt viel eher der Bildungsstand eines Menschen eine wichtige Rolle beim Thema Übergewicht, aber auch Nationalität, Haushaltsgrösse oder Familienstruktur sind wichtige Faktoren. Ungenügend ausgebildete Personen oder Alleinerziehende hätten häufig eine schlechtere Problembewältigungskompetenz und deshalb sei auch ihr Verhaltensmuster im Bezug auf die Ernährung anders. Gemäss dem Kieler Professor für Ernährung haben sozial schwächere Gruppen einen Lebensstil, bei welchem dem Verzehr von Obst und Gemüse nur eine geringe Bedeutung beigemessen wird, dafür werden mehr Süssigkeiten und Weissbrot konsumiert (Müller, 2003).

Frau Prof. Dr. Eva Münster vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat einen Zusammenhang zwischen Adipositas und dem Lebensstandard festgestellt. Laut ihren Forschungen steigt das Risiko übergewichtig oder fettleibig zu werden proportional mit der Überschuldung eines Menschen. Gemäss Münster ist vor allem der hohe Preis für gesunde Nahrungsmittel und das fehlende Wissen um die Schädlichkeit des „Trost-Essens“ für das Übergewicht verantwortlich. Desweiteren sind auch die psychisch belastende Situation der überschuldeten BürgerInnen, aber auch deren Neigung zur körperlichen Inaktivität massgeblich an der Fettleibigkeit beteiligt (Münster, 2009).

Da adipöse Menschen häufiger als Normalgewichtige mit funktionellen Einschränkungen konfrontiert sind, erschwert sich ihre Alltagsbewältigung erheblich und sie sind auch anfälliger für andere chronische Erkrankungen, was das Risiko noch tiefer in die Armut zu sinken, weiterhin erhöht (GBE, 2010). Deshalb forderte die deutsche Politikerin und frühere Agrarministerin Renate Künast schon vor einigen Jahren, dass Kinderärzte die Eltern frühzeitig auf die richtige Ernährung und sportliche Betätigung ihrer Kinder hinweisen. Gemäss Künast muss die Industrie auch gesündere Schnellmahlzeiten und Snacks entwickeln, die Städte dafür besorgt sein, dass kostenlose Freizeitbetätigungen möglich sind und schon im Kindergarten muss kochen gelernt werden, um aus der Spirale „Armut, soziale Schwäche und Dicksein“ aussteigen zu können (Künast, 2005).

 

Diskussion

Aus meiner eigenen Praxiserfahrung muss ich leider berichten, dass auch ich den Trend beobachte, dass sozial schwächer gestellte Menschen und solche, die an der Armutsgrenze leben müssen, häufig einen Hang zu Übergewicht entwickeln. Deshalb muss auch aus meiner Sicht beim Thema „Armut und soziale Schwäche machen dick“ vermehrt auf Prävention gesetzt werden. Das gesundheitsrelevante Verhalten muss verbessert und lebensstiländernde Massnahmen müssen verstärkt werden um einen dauerhaften Ausstieg aus diesem Circulus vitiosus zu schaffen.

 

Quellenangaben

GBE (2010, Oktober): GBE kompakt: Ausgabe 05/2010 - Armut und Gesundheit. Zugriff am 19.07.2011http://www.gbebund.de/gbe10/ergebnisse.prc_tab?fid=13357&suchstring=übergewicht_und_armut&query_id=&sprache=D&fund_typ=TXT& methode=2&vt=1&verwandte=1&page_ret=0&seite=&p_lfd_nr=1&p_news=&p_sprachkz= D&p_uid= gast&p_aid=29684782&hlp_nr=3&p_janein=J

 

Künast, R. (2005, April): Armut macht dick. Zugriff am 19.07.2011  http://www.n-tv.de/politik/Kuenast-schlaegt-Alarm-article92258.html

 

Methoden / Regulative Verfahren LF 03 (2011): Einleitung, S. 3 und 4 Ernährung, Diätetik, Fasten

 

Müller, M.J. (2003, Juli): Mangelnde Bildung macht dick. Zugriff am 19.07.2011 http://www.spiegel.de/ panorama/0,1518,256598,00.html

 

Münster E. (2009, August): Zusammenhang zwischen Überschuldung und Fettleibigkeit nachgewiesen. Zugriff am 19.07.2011 http://www.uni-mainz.de/presse/31265.php