Praxis für Komplementärmedizin
Dr. scient. med. Esther Granitzer MSc

Synthetische Hormontherapie im Klimakterium - oder doch lieber einen natürlichen Weg beschreiten?

Esther Granitzer, 12. Juli 2011

 

Facharbeit Regulative Therapieverfahren

Masterstudium MSc für komplementäre, psychosoziale und integrative Medizin

 

Regulative Therapieverfahren - Versuch einer Gliederung

 

Synthetische Hormontherapie im Klimakterium – oder doch lieber einen natürlichen Weg beschreiten?

 

Einleitung

In dieser Facharbeit beziehe ich mich auf die Aussage „In jüngerer Vergangenheit haben sich medizinische Behandlungsspektren durch den Einsatz synthetischer Hormone drastisch erweitert. Während die Pharma-Hersteller jedoch weiterhin auf die Entwicklung neuer biochemischer Medikamente drängen, mehren sich unter Ärzten und Patienten kritische Stimmen, die sich für eine individuell ausgerichtete, ganzheitliche Medizin nach komplementären Gesichtspunkten aussprechen…“, welche im Lernfeld 01 auf der Seite 3 „Historische Entwicklung“ erwähnt wird (Regulative Verfahren LF 01, 2011). Über den Einsatz synthetischer Hormone, welche z.B. bei Wechseljahrbeschwerden eingesetzt werden, wird seit vielen Jahren heiss diskutiert. Nach anfänglicher Begeisterung haben sich bald auch mögliche, zum Teil gefährliche Nebenwirkungen wie Thrombose- und Krebsgefahr herausgestellt - vor allem bei unnötig oder gar prophylaktisch eingesetzten synthetischen Hormonen.

 

Fragestellung

Synthetische Hormontherapie im Klimakterium – oder doch lieber einen natürlichen Weg beschreiten?

 

Methoden

-berufliche Kompetenz

-Internetrecherche

-Literaturrecherche

 

Ergebnis

Heute werden die Wechseljahre, welche auch Klimakterium oder Menopause genannt werden, immer mehr als das verstanden, was sie wirklich sind - nämlich als eine Lebensphase der Hormonumstellung und keine Krankheit. Die Menopause ist etwas ganz Normales. Manche Frauen bemerken sie nur am Ausbleiben der monatlichen Regelblutung, andere Frauen spüren dagegen sehr ausgeprägte Wechseljahresbeschwerden wie Schlafstörungen, Hitzewallungen mit Schweissausbrüchen, Stimmungsschwankungen, Leistungsabfall, Libidomangel und Gebärmuttersenkungsbeschwerden mit Harnhaltestörungen.

Zur Behebung all der oben genannten Symptome erschien es in der konventionellen Medizin als logisch und konsequent, die Ursache, also den Hormonmangel, künstlich auszugleichen. Man versprach sich mit dieser “Hormon-Ersatz-Therapie“ mittels synthetischen Hormonen nicht nur erfolgreich die klimakterischen Beschwerden zu beheben, sondern auch mögliche zukünftige Erkrankungen, wie z.B. eine drohende Osteoporose oder eine Alzheimer’sche Erkrankung zu vermeiden. Die Studienergebnisse der „Women´s Health Initiative“ (WHI-Studie USA, 2002) und die folgende „Million Women Study“ aus Grossbritannien (Klinik und Forschung, 2003) brachten aber völlig überraschend erhebliche Risiken der synthetischen Hormonersatz-therapie an’s Licht. Vor allem die Erkenntnisse der erhöhten Brustkrebsgefahr führten zur Verunsicherung unter den betroffenen Frauen und ebenso auch zu kontroversen Diskussionen innerhalb der Ärzteschaft.

Die entstandene Unsicherheit um das Verhältnis von Risiken und Nutzen der synthetischen Hormon-Ersatztherapie hat das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Oktober 2002 dazu veranlasst, unter anderem folgende Hinweise zur Behandlung der Wechseljahre herauszugeben: „….nur bei ausgeprägtem individuellem Leidensdruck, nach Ausschluss von Risikofaktoren (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, venöse thromboembolische Komplikationen, Krebs) sowie nach Aufklärung der Patientinnen über die möglichen Risiken verordnen. Die Anwendungsdauer so kurz wie möglich (z. B. 1-2 Jahre, gegebenenfalls Auslassversuche), die Östrogendosis so niedrig wie möglich wählen…..“ (BfArM, 2002).

Zum besseren Verständnis ist noch zu erwähnen, dass zwischen synthetischen Hormonen, welche aus labortechnisch völlig neu konstruierten Molekülen bestehen und naturidentischen Hormonarten, welche zwar auch im Labor, jedoch aus Stoffen zusammengesetzt werden, die in der Natur vorkommen, zu unterscheiden ist. Zudem gibt es noch die Gruppe der natürlichen Hormone, welche zu 100% aus Pflanzen gewonnen werden, aber nicht identisch mit den natürlich im Körper vorkommenden Hormonen sind. Naturidentische Hormone weisen ähnliche Strukturen wie die menschlichen Hormone auf. Sie werden dadurch vom Körper besser resorbiert, binnen Stunden von der Leber fast vollständig metabolisiert und durch ihre höhere Affinität an den hormonspezifischen Rezeptoren treten unerwünschte Nebenwirkungen nicht, oder nur sehr selten auf.

Schon vor mehr als 25 Jahren stellte der deutsche Gynäkologe Dr. med Volker Rimkus fest, dass die synthetischen Hormonwirkstoffe in ihrer molekularen Struktur nicht den im Körper vorkommenden Hormonen entsprachen. Rimkus forschte weiter und entdeckte dabei Arzneien, deren Inhaltsstoffe den (weiblichen) Sexualhormonen entsprachen. Diese natürlichen Stoffe (Diosgenin) konnte man aus einem Extrakt der wilden Yamswurzel (Dioscorea mexicana) gewinnen (Rimkus, 2011). Weitere natürliche Therapien bei Wechseljahr-beschwerden stellen die Behandlung mit Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze), Agnus castus (Mönchspfeffer), Soja, Bockshornklee, Fenchel, Rotklee, Hopfen und Glycyrrhiza glabra (Süssholz) dar, aber auch Salbei und Johanniskraut leisten bei Klimakteriumsbeschwerden oft wertvolle Hilfe (Ceres-Kompendium, 1998).

 

Diskussion

Aus meiner eigenen Praxiserfahrung darf ich berichten, dass meine Patientinnen ebenfalls über sehr gute Erfolge mit Extrakten aus der Yamswurzel berichten. Dioscorea mexicana, welche ich bevorzugt als Kapseln, Crème oder Vaginalgel verordne enthält Diosgenin, das an Wirkung und Aufbau dem menschlichen Progesteron, welches der Familie der Gestagene angehört, sehr ähnlich ist.

Zudem möchte ich den Frauen aber auch zu bedenken geben, dass die Wechseljahre, wie die Pubertät zum Leben dazu gehören. Beides sind keine Krankheiten, sondern Abschnitte in bestimmten Lebensphasen. Problematisch ist natürlich, dass die beiden Phasen unterschiedlich bewertet werden, denn die Pubertät ist das Tor zum Leben, quasi der Frühling, in dem alles erwacht. Das Klimakterium hingegen kündigt an, dass der Sommer des Lebens vorbei ist und der Herbst bevorsteht. Aber auch der Herbst hat wunderschöne Sonnentage und bei der heutigen Lebenserwartung können das noch ziemlich viele sein, die frau möglichst geniessen sollte.

 

Quellenangaben

BfArM (2002, Oktober): Hormonersatztherapie bei Frauen in und nach den Wechseljahren mit Östrogen-Gestagen-Kombinationen. Zugriff am 12.07.2011 http://www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/ 2002minus/asi-hrt-nach-wechseljahren.html

Ceres-Kompendium (1998): Kompendium der Ceres Heilmittel AG in Kesswil, Eigenverlag

Million Women Study Grossbritannien (2003): Risiko des Endometriumkarzinoms bei postmenopausalen Frauen durch Tibolon verdoppelt. Zugriff am 12.07.2011 http://www.klinikundforschung.de/sup/heft9/kuhl.htm

Regulative Verfahren LF 01 (2011): Historische Entwicklung, S. 3, Regulative Therapieverfahren….

Rimkus, V. (2011): Zugriff am 12.07.2011 http://www.dr.rimkus.ike.de/cgi-bin/show/show.pl?page =wir_beruns

WHI-Studie USA (2002): Weniger Brustkrebs seit dem Ende der Hormonersatztherapie-Ära. Zugriff am 12. 07.2011 http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=26719