Praxis für Komplementärmedizin
Dr. scient. med. Esther Granitzer MSc

Die Geschichte der Ohr-Reflexzonen-Therapie

Esther Granitzer, 20. Mai 2011

 

Facharbeit Regulationsbiologie

Masterstudiengang MSc für komplementäre, psychosoziale und integrative Medizin

 

Projektionsphysiologie, Reflexzonen und Herdbeziehungen

 

Die Geschichte der Ohr-Reflexzonen-Therapie.

 

Einleitung

In dieser Facharbeit beziehe ich mich auf die Aussage „Unter Reflexpunkten, sogenannten aktiven Triggerpunkten, z.B. Akupunkturpunkten, versteht man Areale, die bei Anspannung des Muskels und leichtem Druck auf die Haut fühlbar und bei Reizung schmerzhaft sind und deren Reizung fortgeleiteten Schmerz, sowie autonome Reaktionen auslösen kann.“ welche im Regulationsbiologie Lernfeld 07 in der Übersicht auf der Seite 4 erwähnt wird (Regulationsbiologie LF 07, 2011). Da ich mich u.a. jedoch schon in der Facharbeit zum Lernfeld 05 mit dem Thema Reflexzonen und Herdbeziehungen auseinandergesetzt habe, möchte ich in dieser Arbeit die Geschichte der Ohr-Reflexzonen-Therapie eingehender studieren und aufbereiten, da sich diese Therapieform im komplementärmedizinischen Praxisalltag immer wieder als sehr hilfreich erweist.

 

Thema

Die Geschichte der Ohr-Reflexzonen-Therapie.

 

Methoden

-Internetrecherche

-Literaturrecherche

 

Ergebnis

Schon zur Zeit des babylonischen König Naramsim (ca. 2250 v. Chr.) wurde in einem Geburtsprognostikum vorausgesagt, „Wenn eine Frau ein Kind gebiert, das Löwenohren hat, so wird ein starker König im Lande sein…..Wenn eine Frau ein Kind gebiert, dessen rechtes Ohr zu klein ist, so wird des Mannes Haus zerstört werden“ (Politzer, 1907). Die ältesten Berichte, welche ich in der Literatur zum Thema „Ohrtherapie“ gefunden habe, stammen jedoch von Hippokrates von Kos, dem berühmten griechischen Arzt, der von 460 – 377 v. Chr. lebte und wirkte (Wikipedia, 2011). Hippokrates lehrte in seiner medizinischen Akademie das althergebrachte Erfahrungsgut der Babylonier, Ägypter und Inder, welches er mit eigenen Beobachtungen und Erfahrungen ergänzte. Aus Ägypten brachte Hippokrates u.a. die Erkenntnis mit, dass Aderlässe an den Ohrvenen nicht nur schmerzstillend und entzündungshemmend sind, sondern auch eine Unfruchtbarkeit bei Frauen und Männern bewirken können und gab hiermit einen ersten Hinweis auf die Ohr-Reflexzonen und auf ihre Zusammenhänge (Radloff, 1987).

Im Jahre 1637 beschreibt der portugiesische Arzt Zacatus Lusitanus seine Versuche, Ischiasbeschwerden über das Ohr zu therapieren (Noack, 2011) und 1717 berichtet Dr. Valsalva, ein italienischer Arzt, über seine erfolgreiche Kauterisation der Ohrmuschel bei Zahnschmerzen. Prof. Colla aus Parma berichtet zudem über einen Mann, der eine Beinlähmung entwickelte, nachdem er von einer Biene in‘s Ohr gestochen wurde (Radloff, 1987).

Der Sinologe und Mediziner Prof. Dr. Manfred Porkert kommt in seinem Buch „Die Entwicklung der Ohrakupunktur aus chinesischer Sicht“ zum Schluss, dass die Ohr-Akupunktur im Jahre 1951 von Dr. Paul Nogier, einem französischen Arzt entwickelt und erst anschliessend nach China exportiert wurde (Auriculo, 2011). Nogier, der in Lyon praktizierte, fiel auf, dass einige seiner Patienten Narben in den Ohrmuscheln hatten. Die Befragung ergab, dass es sich um die Spuren einer Ischiasbehandlung – welche von Zigeunern mittels eines glühenden Eisenstabs durchgeführt wurde – herrührte, welche blitzartig den Schmerz verschwinden liess. Diese sekundenphänomenartige Reaktion erweckte sein Interesse und Nogier begann damit, ebenfalls die Ohrmuscheln zu kauterisieren, um Ischialgien zu behandeln. Später probierte er dann andere, weniger barbarische Mittel aus und kam so auf die Ohrakupunktur, auch Aurikulotherapie genannt (Radloff, 1987). Die Aurikulotherapie ist ein System, das sich nicht in die klassische Akupunktur einordnen lässt, da sie zu den „Reflexzonentherapien“ gehört. Durch einen Stich oder eine andere Manipulation wie Druck, Massage, Laser, Farblicht, Reizstrom usw. wird das reflektorisch erregbare Areal der Ohrmuschel angesprochen und ein therapeutischer Effekt im Erfolgsorgan ausgelöst (Noack, 2011) und genau die gleichen Effekte liegen der Ohr-Reflexzonen-Therapie zu Grunde. Gemäss Radloff (1987) hat demnach auch die Ohr-Reflexzonen-Therapie ihre eigene Energetik, Ohrzonen werden als Reflexzonen angesehen und die Wirkung wird als Reflexgeschehen erklärt.

 

Diskussion

In dieser Facharbeit habe ich versucht dem geneigten Leser die Geschichte der Ohr-Reflexzonen-Therapie chronologisch aufzuzeigen. Interessant dabei ist für mich die Tatsache, dass die Zusammenhänge der Ohr-Reflexzonen schon seit über 2000 Jahren bekannt sind und auch damals schon dementsprechend therapiert wurden. Die Untersuchung dieser Ohr-Reflexzonen erlaubt uns auch heute noch eine Aussage darüber, wo im Körper Funktionseinschränkungen bestehen und dient als Diagnosehilfe, welche Organe bei unklaren Beschwerden betroffen sind. Zudem hilft die Ohr-Reflexzonen-Therapie bei der Suche nach Störfeldern, welche einen Heilungsprozess verzögern oder diesen sogar ganz verhindern. Last but not least setze ich die Ohr-Reflexzonen-Therapie in meiner Praxis schon seit Jahren u.a. sehr erfolgreich als Instrument zur Schmerzbekämpfung und zur ganzheitlichen Präventionsbehandlung ein.

 

Quellenangaben

Auriculo (2011): Aurikulotherapie – eine unumstritten europäische Entdeckung von Dr. Paul Nogier. Zugriff am 20.05.2011 http://www.auriculo.ch/17/downloads/Aurikulotherapie_SBO-dreispaltig.pdf

Noack, M. (2011): Die Ohrakupunktur – Einführung und Praxis. Zugriff am 21.05.2011 http://www.naturheil-web.de/html/ohrakupunktur.html

Politzer, A. (1907): Geschichte der Ohrenheilkunde. Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart

Radloff, K. (1987): Grundlagen der Akupunktur-Massage. Energetisch-statische-Behandlung und Ohr-Reflexzonen-Massage. Verlag für Akupunktur-Massage, Wienacht

Regulationsbiologie LF 07 (2011), Übersicht, S. 4, Projektionsphysiologie, Reflexzonen und Herdbeziehungen.

Wikipedia (2011): Hippokrates von Kos. Zugriff am 20.05.2011 http://de.wikipedia.org/wiki /Hippokrates_ von_Kos