Praxis für Komplementärmedizin
Dr. scient. med. Esther Granitzer MSc

Die interdisziplinäre Vernetzung von Schul- und Komplementärmedizin führt zu mehr Gesundheit.

Esther Granitzer, 01. Mai 2011

 

Facharbeit Regulationsbiologie

Masterstudiengang MSc für komplementäre, psychosoziale und integrative Medizin

 

Vernetzungsorientierte Diagnose und Therapie in der konventionellen und in der komplementären Heilkunde

 

Die interdisziplinäre Vernetzung von Schul- und Komplementärmedizin führt zu mehr Gesundheit.

 

Einleitung

In dieser Facharbeit beziehe ich mich auf die Aussage „Für die Erweiterung und Optimierung der konventionellen Medizin können vor allem allgemeine Gesundheits- und Heilungskonzepte Komplementärer Richtungen beispielhaft sein, sowie deren präventiv, psychosozial und salutogenetisch orientierte Arbeitshaltung.“ welche im Regulationsbiologie Lernfeld 05 in der Übersicht auf der Seite 4 erwähnt wird (Regulationsbiologie LF 05, 2011). Die Komplementärmedizin orientiert sich vornehmlich an den vorhandenen Möglichkeiten des Menschen und fördert die Gesundheit, anstatt die Krankheit zu bekämpfen, wie dies in der konventionellen Schulmedizin der Fall ist. Je nachdem um was für ein gesundheitliches Problem es sich handelt, ist der eine oder andere Denkansatz vordergründig. Im Sinne einer optimierten Patientenversorgung ist jedoch eine interdisziplinäre Vernetzung beider Disziplinen zeitgemäss.

 

Hypothese

Die interdisziplinäre Vernetzung von Schul- und Komplementärmedizin führt zu mehr Gesundheit.

 

Methoden

-berufliche Kompetenz

-Literaturrecherche

 

Ergebnis

Die interdisziplinäre Vernetzung von Schul- und Komplementärmedizin wird heutzutage schon in verschiedenen Kliniken praktiziert. In der Paracelsusklinik Lustmühle in Appenzell Ausserrhoden zum Beispiel, wird diese Kombination schon seit vielen Jahren mit guten Erfolg angeboten. Während meinen zwei Jahren praktischer Tätigkeit in dieser Tagesklinik konnte ich mich immer wieder davon überzeugen, wie wirksam sich diese Philosophie der Vernetzung auf die Patientengesundheit auswirkt. Patienten, die gemäss klassischer Schulmedizin therapieresistent oder auch austherapiert waren, wurden in der Lustmühle mit verschiedenen Therapieformen aus Schul- und Komplementärmedizin kombiniert behandelt und wurden wieder regulationsfähig und anschliessend gesund. Ein wichtiger Aspekt im vernetzten medizinischen Denken, ist auch die Beachtung der zahnmedizinischen Seite eines Patienten. Nicht nur in der zahnärztlichen Abteilung der Paracelsusklinik wird immer wieder auf die Zusammenhänge der Organe und der Odonten bzw. der Krankheiten hingewiesen, sondern auch Prof. Dr. med. dent. Christian E. Besimo von der Aeskulap-Klinik in Brunnen am Vierwaldstättersee weiss um dieses Zusammenspiel. Gemäss dem Professor für Zahnmedizin aus der Innerschweiz, ist die interdisziplinäre Vernetzung zwischen Schul-, Zahn- und Komplementärmedizin unerlässlich, da den Patienten auf diese Weise einerseits viel professioneller geholfen und andererseits, Komplikationen vermieden werden können. Besimo weist darauf hin, dass die Strukturierung zahlreicher Daten aus einer mehrdimensionalen Anamnese zu einer ganzheitlichen, differenzierten Diagnosestellung führt. Wenn Hinweise auf eine allgemeine Gesundheitsbeeinträchtigung eines Patienten bestehen, so muss die zahnärztliche Diagnostik durch medizinische Untersuchungen und Befunderhebungen ergänzt werden (Besimo, 2011). In diesem Zusammenhang bleibt mir ein sehr eindrückliches Erlebnis mit einer damals ca. 60-jährigen Patientin in Erinnerung. Die Frau reiste extra aus den USA an, um sich wegen ihrer Grand-mal-Epilepsie in der Paracelsusklink behandeln zu lassen. Gemäss Panoramaröntgenbild zeigte sich eine Beherdung des Weisheitszahnes oben links, der u.a. mit dem zentralen Nervensystem in Verbindung gebracht wird. Der Chefarzt der Paracelsusklinik Dr. med. Thomas Rau entschied, den 28er ziehen zu lassen und als dies geschehen war, hatte die Patientin von Stunde an nur noch Petit-mal-Anfälle.

Als weiteres Beispiel interdisziplinärer Vernetzung möchte ich auf die Geschichte einer 19-jährigen Studentin hinweisen, die mir zur komplementärmedizinischen Abklärung und Therapie von der Lindbergklinik in Winterthur zugewiesen wurde. Die junge Patientin wurde wegen immer wiederkehrenden Aphten der Mundschleimhaut fast dauernd mit Antibiotika behandelt, was jedoch nur kurzzeitig einen Erfolg zeigte und zu starken Diarrhoen führte. Nach Absprache mit dem zuweisenden Mediziner Dr. med. Fritz Horber, ordnete ich bei der Patientin eine Stuhluntersuchung an, da ich eine Dysbiose der Darmflora vermutete. Das Laborergebnis war eindeutig. Die aeroben Leitkeime Escherichia coli und Enterococcus species und die anaeroben Clostridium species waren stark erhöht, zudem waren die Bifidobacterien und Lactobacillen im Mangelbereich. Mein Therapievorschlag bestand vor allem aus einem probiotischen Darmfloraaufbau und einer ausgewogeneren Ernährungsform. Da der zuweisende Arzt jedoch ein paar Tage abwesend und sein Stellvertreter weniger ganzheitlich denkend war, wurde die junge Patientin in der Klinik wiederum mit einem Antibiotikum behandelt und zwar, um die gemäss Laborbefund erhöhte Leitkeimflora zu bannen. Die Clostridienanzahl nahm zwar ab, aber weder die Kolibakterien, noch die Enterokokken liessen sich so beeinflussen. Die erneute Stuhlflorauntersuchung zeigte dann zusätzlich noch eine Belastung mit Candida albicans an und die Aphtenproblematik der jungen Studentin hatte sich ebenfalls massiv verstärkt. Nach nochmaliger Besprechung mit der Patientin und dem zuweisenden Arzt konnte dann endlich mit dem vorgeschlagenen Darmfloraaufbau begonnen werden und zur lokalen Anwendung im Mundbereich verordnete ich Spülungen mit Rizolöl nach Dr. Steidl, einer Mischung aus Ölen und Gewürznelke, welche örtlich u.a. auch schmerzlindernd wirkt. Als die Patientin nach 3 Wochen wieder in meiner Sprechstunde vorstellig wurde, waren die Aphten der Mundschleimhaut abgeheilt und auch die Stuhlqualität verbesserte sich zusehends.

 

Diskussion

An diesen Anschauungsbeispielen ist deutlich zu erkennen, dass eine optimale Patientenversorgung nur mit vernetztem Denken erreicht werden kann.

Ich bleibe deshalb bei meiner Hypothese – die interdisziplinäre Vernetzung von Schul- und Komplementärmedizin führt zu mehr Gesundheit.

 

Quellenangaben

Besimo, E. Ch. (2011, April): Eng vernetzt mit der Medizin und dem Gesamtorganismus. In: Compliment Nr. 34, S. 1-3

Regulationsbiologie LF 05 (2011), Übersicht, S. 4, Vernetzungsorientierte Diagnose und Therapie in der konventionellen und in der komplementären Heilkunde.