Praxis für Komplementärmedizin
Dr. scient. med. Esther Granitzer MSc

"Similia similibus curentur" - das Ähnlichkeitsprinzip gilt auch in der Phytotherapie.

Esther Granitzer, 07. April 2011

 

Facharbeit Regulationsbiologie

Masterstudium MSc für komplementäre, psychosoziale und integrative Medizin

 

Durch Ähnlichkeit heilen – nicht nur in der Homöopathie. Ähnliches und Paradoxes. Ein allgemeines Prinzip integrativer Heilkunde?

 

„Similia similibus curentur“ – das Ähnlichkeitsprinzip gilt auch in der Phytotherapie.

 

Einleitung

In dieser Facharbeit beziehe ich mich auf eine Aussage von Samuel Hahnemann „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“, welche im Regulationsbiologie Lernfeld 01 im Einstiegskapitel auf Seite 3 erwähnt wird (Regulationsbiologie LF 01, 2011). Dieses Ähnlichkeits- oder Simileprinzip ist seither zur Grundlage der homöopathischen Heilkunde geworden, hat jedoch auch in anderen komplementärmedizinischen Disziplinen, wie z.B. in der Phytotherapie (Heilpflanzenkunde), eine grosse Bedeutung.

 

Hypothese

„Similia similibus curentur“ – das Ähnlichkeitsprinzip gilt auch in der Phytotherapie.

 

Methoden

-Internetrecherche

-Literaturrecherche

-persönliche Erfahrung

 

Ergebnis

Nach Hippokrates von Kos (460 v. Chr. – 370 v. Chr.) und Theophrastus von Hohenheim genannt Paracelsus 1493 – 1541), welche sich schon viele Jahre zuvor mit dem Ähnlichkeitsprinzip befassten, prägte Samuel Hahnemann im Jahre 1796 den Satz „Similia similibus curentur“ („Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“) (Wikipedia, 2011). Nicht nur in der von Samuel Hahnemann begründeten Homöopathie gilt diese Regel, sondern auch in der Phytotherapie spielt dieser Grundsatz eine wichtige Rolle. Paraceslus prägte dazu den Satz „Die Natur zeichnet ein jegliches Gewächs zu dem, darzu es gut ist“ (Heilpflanzenkatalog, 2011). Die Entdeckung der Pflanzen als Heilmittel und die Entstehung der Signaturenlehre sind sehr eng miteinander verknüpft. Seit dem Beginn der Phytotherapie wurde aufgrund von bestimmten Pflanzenmerkmalen auf bestimmte Heilwirkungen geschlossen, wie dies am Beispiel der Brennnessel (lat. Urtica dioica) sehr gut zu erklären ist.

Ich erinnere mich noch genau an unseren damaligen Kinderspielplatz am Waldrand, der nur durch einen mutigen Sprung über einige Brennnesselstauden erreicht werden konnte. Ab und zu gelang der Sprung nicht ganz und auch ich machte dabei die unangenehme Erfahrung mit der heftig brennenden Wirkung der Brennnesseln. Das Hauptmerkmal der Pflanze sind die typischen Brennhaare aus der das Gift – welches gemäss dem Onmeda Heilpflanzenlexikon (2011) Kiesel-, Essig- und Ameisensäure enthält – in die angeritzte Haut fliesst und dabei Quaddelbildung, Rötung, Juckreiz und eben auch Brennen hervorruft. Gemäss dem Ähnlichkeitsgrundsatz wird die Brennnessel demnach bei nesselsuchtartigen Hauterkrankungen und Allergien eingesetzt.

 

Laut Dr. Roger Kalbermatten, einem Schweizer Biochemiker und dem Begründer der Heilmittelfirma Ceres in Kesswil am Bodensee, ist ein weiteres Charakteristikum von Urtica dioica, dass sie sehr gerne auf übersäuerten, mit Stickstoff überdüngten Böden wächst, wie dies häufig rund um Alphütten oder an Waldrändern der Fall ist. Für den Boden erfüllt die Brennnessel deshalb eine wichtige Funktion, weil sie ihm Stickstoff entzieht und damit das biologische Gleichgewicht wieder herstellt. Auf der Körperebene häufen sich aufgrund einer üppigen, eiweissreichen Ernährung stickstoffhaltige Schlacken und Harnsäure im Blut an, was schlussendlich zu rheumatischen und gichtartigen Beschwerden des menschlichen Organismus führen kann. Urtica dioica ist demnach auch ein probates Heilmittel gegen die Einschränkung der Bewegungsfreiheit, indem die Brennnessel mit ihrer „Aggression“ die Möglichkeit schafft, erstarrte Strukturen des Körpers und der Seele dynamisch aufzubrechen und das Blut von seinen schädlichen Schlacken zu reinigen.

Ein weiteres Merkmal der Brennnessel ist ihre ausgeprägte Beziehung zum Eisen. Deponien und Schutthalden mit Alteisen sind beliebte Brennnesselstandorte. Die Pflanze hat die Fähigkeit, Eisen aufzunehmen und dadurch regulierend auf die Böden mit zu hohem Eisengehalt zu wirken. Während das Metall Eisen in der Biochemie der Pflanzen keine spezifische Bedeutung besitzt, erfüllt es bei Mensch und Tier eine sehr zentrale Funktion.

Ohne genügend Eisen im Blut reduziert sich der Sauerstoffgehalt in den roten Blutkörperchen und auch die Verbrennung der Nährstoffe nimmt ab, was zu wesentlichen Krankheitssymptomen führen kann. In der Phytotherapie stellt Urtica dioica demnach auch ein sehr effizientes Heilmittel bei Erschöpfungszuständen, Frühjahrsmüdigkeit und bei Blutarmut dar (Kalbermatten, 2002).

 

Diskussion

Neben anderen Therapieformen, wende ich in meiner komplementärmedizinischen Praxis schon seit fast 15 Jahren auch sehr erfolgreich die Phytotherapie an. Das Ähnlichkeitsgesetzt, bzw. die Formenanalogie von Mensch und Pflanze und die Signaturenlehre der Heilmittel sind mir dabei tagtäglich eine wertvolle Hilfe.

Ich bleibe bei meiner Hypothese – das Ähnlichkeitsgesetzt „Similia similibus curentur“ gilt auch in der Phytotherapie – und lässt sich sehr gut am Beispiel der Heilpflanze Brennnessel, erklären.

 

Quellenangaben

Heilpflanzenkatalog (2011): Zugriff am 07.04.2011 http://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/ heilpflanzen-europa/186-leberbluemchen.html

Kalbermatten R. (2002): Wesen und Signatur der Heilpflanzen. Die Gestalt als Schlüssel zur Heilkraft der Pflanzen. Verlag AT, Aarau

Onmeda Heilpflanzenlexikon (2011): Brennessel. Zugriff am 07.04.2011 http://www.onmeda.de/lexika/ heilpflanzen/ brennnessel-wirkung-und-inhaltsstoffe-2300-2.html

Regulationsbiologie LF 01 (2011), Kapitel Einstieg, S. 3, Durch Ähnlichkeit heilen – nicht nur in der Homöopathie.

Wikipedia (2011): Homöopathie. Zugriff am 07.04.2011 http://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathie