Praxis für Komplementärmedizin
Dr. scient. med. Esther Granitzer MSc

Von der Mistel zur TCM - SMGP-Weiterbildung vom 26. März 2015

 

Von der Mistel zur TCM: Vielfältiges Programm am Kurs 10 - Phytotherapie im komplementärmedizinischen Umfeld

 

Veranstalter: SMGP Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie

Leitung: Prof. Dr. Beat Meier, Dr. sc. nat. Beatrix Falch

Text: Esther Granitzer MSc  

 

Der Kurs 10 „Phytotherapie im komplementärmedizinischen Umfeld“ zeigte einem interessierten Publikum von fast vierzig Teilnehmenden die Grenzen und Möglichkeiten der Phytotherapie auf und zwar nicht nur im Vergleich mit der Schulmedizin, sondern auch im Bezug zu anderen komplementärmedizinischen Methoden.

Im Startreferat beleuchteten Gerhard Schaller, Stephan Baumgartner und Clifford Kunz die Mistel im Spannungsfeld anthroposophischer Medizin und naturwissenschaftlichen Ansprüchen. Dabei präsentierte Gerhard Schaller zuerst Wissenswertes über die Botanik und die Inhaltsstoffe von Viscum album, aber auch über die pharmazeutischen Aspekte der Herstellung von Mistelpräparaten. Das in der SL aufgelistete Präparat Iscador wird in fünf verschiedenen Mistelextrakt-Sorten angeboten und zwar als Kiefer, Tanne, Eiche, Ulme und Apfel. 
Anschliessend erläuterte Stephan Baumgartner Neues zum Thema präklinische und klinische Forschung. Zahlreiche Studien, welche signifikante Resultate mit Verbesserung der Lebensqualität bei Mamma- und Pankreas-Carcinom und eine Verlängerung des Gesamtüberlebens bei Pankreas-Carcinom durch die Therapie mit Mistelextrakten zeigten, liegen vor. Clifford Kunz brachte den KursteilnehmerInnen die Klinische Praxis der Misteltherapie näher und erklärte dabei, dass die Nadelholzmistel weniger allergen ist und eine grössere therapeutische Breite aufweist, als die Laubbaummistel, welche dafür lektin-reicher ist, was die Tumor-Angiogenese deutlicher hemmen kann.

Matthias Rostock gab - anhand einiger Studien und vielen praktischen Beispielen -
eine Übersicht zu Möglichkeiten der Phytotherapie in Prävention und Therapie von Mukositis und Stomatitis bei Tumorpatienten. Ringelblumentinktur wirkt dabei antimikrobiell, antiphlogistisch, immunstimmulierend und wundheilungsfördernd. Sanddorn-Fruchtfleischöl wirkt antioxidativ, lindert Schmerz und fördert die Granulation. Bei der Mundtrockenheit (Xerostomie), welche häufig als Langzeitfolge nach Strahlentherapie auftritt empfiehlt Matthias Rostock Bitterstoff- und Schleimstoffdrogen, oder aber auch Olivenöl, welches mit ätherischem Zitronenöl versetzt als eine Art Mundspülung lindernd wirkt.

Anhand von Studien mit  Ribes nigrum L. und anderen Knospenmazeraten erklärte Jacqueline Ryffel von der Spagyros AG dem Publikum die Gemmotherapie und erwähnte u.a. mit Betula comp. eine effiziente Drainagemöglichkeit nach Infektionen mit oder ohne Antibiotika-Verordnung.

Nach der Mittagspause zeigte Thomas Pfister in schönen Bildern eindrücklich auf, dass Heilkräuter in der Gartentherapie und die damit zusammenhängenden Erfahrungen aus dem geriatrischen Bereich durchaus nicht nur Pensionierten Spass machen können. Zudem erfuhren die KursteilnehmerInnen mehr über die Herstellung von Melissensirup, Kräuterbroten und über den Inhalt der eigenhändig hergestellten Schlafkissen, die nicht nur Baldrian und Rosenblätter enthalten.

Anhand von Patientenbeispielen erklärte Peter Frey den KursteilnehmerInnen unterschiedliche Hintergründe zum Thema Bluthochdruck und gab wertvolle Tipps für die Therapie mittels Heilpflanzen. Die Rezeptvorschläge beinhalten Pflanzen wie Weissdorn, Mistel und Passionsblume, aber auch die Tinktur aus Rauwolfia serpentina leistet gemäss Peter Frey wertvolle Dienste in der pflanzlichen Blutdrucktherapie. Bei der obengenannten Schlangenwurz ist eine Standardisierung und eine genaue Dosierung unerlässlich, handelt es sich doch um ein (nach R.F. Weiss) sogenanntes Forte-Phytotherapeutikum.

Simon Becker erläuterte in seinem Referat die Bedeutung der Arzneipflanze in der chinesischen Medizin und erwähnte, dass heute in der Schweiz ca. 350 Drogen (pflanzlich, tierisch, mineralisch) aus der chinesischen Medizin im Gebrauch sind, meistens in komplexen Rezepturen die nach den Regeln und Vorstellungen der Methode zusammen gestellt werden. Dies kann in der Schweiz nach anerkannten Regeln der Swissmedic gemäss Heilmittelgesetz erfolgen.

Im Schlussreferat beleuchtete Simon Feldhaus dann die Leber – das vergessene Organ und stellte dabei Aktuelles aus der Wissenschaft vor (Liv. 52, Legalon), brachte Patientenbeispiele mit Mariendistel und Wegwarte und gab Tipps zur Leber-Basis-Therapie. Weiter wies Simon Feldhaus darauf hin, dass Löwenzahn u.a. die Leber entlasten und den Gallefluss fördern, Wermut sekretionsfördernd und appetitanregend und sylimarinhaltige Extrakte aus Mariendistel u.a. bei chronischer Leberfibrose wirksam sein kann.

Der Kurs 10 ermutigte die 36 TeilnehmerInnen mittels spannenden Referaten die Phytotherapie im komplementärmedizinschen Umfeld zu sehen, aber auch vermehrt Arzneipflanzen in der Praxis einzusetzen und so das Potential der Phytotherapie zur individuellen Behandlung zu nutzen.

Esther Granitzer MSc, Komplementärmedizinerin, St. Gallen